14.10.2026
Foto: dbn ki-generiert
Knapp zwei Wochen nach Einführung der nationalen Paketsteuer zeigt sich im Handel bereits ein klares Muster: Konsumenten vermeiden Einzelbestellungen und bündeln ihre Einkäufe zu größeren Warenkörben. Die zusätzlichen Kosten von 2,40 Euro treffen kleine Bestellungen besonders hart – und genau hier setzt die Kritik der Wirtschaftskammer Wien an.
„Wer nur ein einzelnes Produkt bestellen möchte, überlegt sich das bei zusätzlichen Kosten von bis zu 2,40 Euro zweimal“, sagt Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. Die Steuer schaffe damit einen klaren Anreiz zum Bündeln. Ob damit allerdings eines der erklärten Ziele – die Eindämmung der Billigpaketflut aus Drittstaaten – erreicht werde, hält sie für mehr als fraglich.
Im Gegenteil: Größere Warenkörbe könnten mittelfristig die Online-Umsätze sogar steigern und dem stationären Handel Marktanteile abnehmen. „Das wäre natürlich ein Horrorszenario für den heimischen Handel“, warnt Gumprecht. Sie fordert die Bundesregierung deshalb auf, die Paketsteuer im Expressverfahren wieder einzustampfen – jedenfalls noch vor dem für viele Händler entscheidenden Weihnachtsgeschäft.
„Trifft die Falschen“
Der Wiener Handel sieht die nationale Abgabe von Beginn an als Fehlkonstruktion. Statt gezielt gegen Billigimporte aus Drittstaaten vorzugehen, belaste sie heimische Händler und Konsumenten. In Wien ist das relevant: 74 Prozent der Wienerinnen und Wiener kaufen online und geben dafür jährlich rund 2,3 Milliarden Euro aus. Online-Shopping gehöre für einen Großteil längst zum Alltag. Die Steuer verändere zunächst nicht unbedingt, wo gekauft werde, sondern wie: weniger Einzelbestellungen, dafür größere Warenkörbe. „Damit ist für den heimischen Handel noch nichts gewonnen“, so Gumprecht.
Europäische Lösung als Alternative
Als wirksamer bewertet der Wiener Handel Maßnahmen auf EU-Ebene. Der seit Juli geltende EU-Pauschalzoll setze gezielt bei Billigimporten aus Drittstaaten an und zeige laut ersten Branchenrückmeldungen bereits Wirkung. „Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber internationalen Billigplattformen. Wenn auf europäischer Ebene gezielt angesetzt wird, braucht es keine zusätzliche österreichische Sonderlösung“, fordert Gumprecht. Die nationale Paketsteuer sollte deshalb rasch zurückgenommen werden.