Ausgabe 2026/09

14.09.2026

Rekordpreise an der Zapfsäule: Alarmismus ersetzt keine Erklärung

Foto: dbn ki-generiert

Rekordpreise an der Zapfsäule: Alarmismus ersetzt keine Erklärung

Die Daten zeichnen ein deutliches Bild: Kraftstoff ist in Österreich derzeit außergewöhnlich teuer. Nach einer Auswertung von E-Control-Zahlen erreichte Diesel am Montag in Tirol im Schnitt 2,287 Euro je Liter. Damit wurde der höchste seit 2019 angeführte Wert eines Bundeslandes verzeichnet.

Auch der österreichweite Dieselwert liegt auf Rekordniveau: Für den 30. März wird ein Preis von 2,245 Euro genannt. Zum Vergleich erreichte Superbenzin am 24. Juni 2022 bundesweit 2,099 Euro; der damalige Höchstwert in Tirol lag bei 2,129 Euro. Die Zahlen zeigen die Dimension des Anstiegs, sagen für sich genommen aber noch wenig über seine Ursachen aus.

Bei Super lag der österreichweite Median am Montag bei 1,944 Euro, in Tirol bei 1,994 Euro. Damit bleibt Benzin noch 15,5 Cent unter dem österreichweiten Rekord beziehungsweise 13,5 Cent unter dem höchsten Bundesländerwert. Auffällig ist jedoch, dass die Darstellung zwischen Durchschnitt, Median und Spitzenwerten wechselt. Ohne eine einheitliche Berechnungsgrundlage sind solche Vergleiche nur eingeschränkt aussagekräftig.

Ein verzerrender Blick zurück
Besonders drastisch wirkt der Vergleich mit dem 17. Mai 2020. Damals kostete ein Liter Super in der Steiermark 0,934 Euro, Diesel in Salzburg 0,913 Euro. Österreichweit lagen die Mittelwerte bei 0,953 Euro für Super und 0,932 Euro für Diesel. Dieser Rückblick einer österreichischen Tageszeitung ist zwar rechnerisch korrekt, aber journalistisch heikel: Das erste Pandemiejahr war von außergewöhnlich geringer Mobilität und einer besonderen Marktlage geprägt. Ein Extremtief als Vergleichsmaßstab lässt den heutigen Anstieg maximal erscheinen, ohne einen typischen Langzeittrend abzubilden.

Viele Zahlen, wenige Antworten
Offen bleibt, warum die Preise steigen und wie sich der Endpreis zusammensetzt. Die Zeitung nennt weder Rohöl- und Großhandelspreise noch Steuern, Raffineriekosten, Transport, regionale Konkurrenz oder zeitliche Schwankungen. Ebenso fehlt die Einordnung, ob Einkommen und allgemeine Preisentwicklung berücksichtigt wurden. Gerade für Pendlerinnen und Pendler wäre entscheidend, welche Mehrkosten pro Monat entstehen und welche politischen Maßnahmen tatsächlich wirken könnten.

Die Rekorde verdienen Aufmerksamkeit, doch Begriffe wie „Wahnsinn“, „Schock“ oder „Albtraum“ ersetzen keine Analyse. Eine belastbare Berichterstattung müsste erklären, welche Faktoren den Preissprung treiben, wie repräsentativ die ausgewählten Stichtage sind und wer entlang der Lieferkette profitiert. Erst dann wird aus einer dramatischen Zahl eine Information, anhand derer Öffentlichkeit und Politik Verantwortung einfordern können.

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