14.09.2026
Foto: dbn ki-generiert
Formale Homeoffice-Regeln dämpfen die Krankheitstage am Laptop. Extra-Schichten von der Couch aus tun das Gegenteil. Eine Studie mit deutschen Daten räumt mit dem Mythos auf, Homeoffice sei automatisch gesünder.
Wer sich mit 38,5 Grad und einem Haufen Taschentücher vor den Rechner setzt, statt sich krankzumelden, betreibt Präsentismus. Seit Corona ist das kein Büro-Phänomen mehr, sondern eines, das sich bequem ins Wohnzimmer verlagert hat. Eine aktuelle Studie im Fachjournal Social Science & Medicine zeigt jetzt: Nicht „Homeoffice ja oder nein“ entscheidet, sondern wie man von zu Hause arbeitet.
Lena Zöhrer und Heiko Breitsohl vom Institut für Management der Universität Klagenfurt haben zusammen mit Nils Backhaus und Sophie-Charlotte Meyer von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) repräsentative Daten deutscher Erwerbstätiger ausgewertet – rund 5.400 Personen aus 2019 und knapp 10.000 aus 2021. Der Befund ist unangenehm klar.
Informell heißt: öfter krank weiterarbeiten
„Informelles bzw. zusätzliches Arbeiten von zu Hause steht sowohl mit der Entscheidung, trotz Krankheit zu arbeiten, als auch mit einer höheren Zahl an Präsentismus-Tagen in Zusammenhang“, sagt Heiko Breitsohl. Heißt im Klartext: Wer abends noch mal die Mails checkt, am Wochenende „kurz was fertig macht“ oder Homeoffice ohne saubere Vereinbarung betreibt, bleibt häufiger krank am Rechner – und das über mehr Tage.
Formale Homeoffice-Vereinbarungen dagegen: kein Zusammenhang mit der Entscheidung, krank zu arbeiten. Aber weniger Präsentismus-Tage. Wer offiziell und klar geregelt von zu Hause arbeitet, schleppt sich offenbar seltener tagelang durch.
Die Autorinnen und Autoren deuten das so: Wer schon vor der Pandemie Erfahrung mit Homeoffice hatte und Arbeit und Privatleben klarer trennt, hat bessere Karten. Das sind mögliche Hebel für gesündere Arbeitsgestaltung – nicht Wellness-Yoga im Wohnzimmer, sondern Struktur.
Was Betriebe daraus machen sollten
Zöhrer und Breitsohl werden in der Praxis deutlich: Klarheit hilft. Arbeitgeber sollten informelles, zusätzliches Arbeiten von zu Hause so weit wie möglich runterfahren. Und in Homeoffice-Vereinbarungen festschreiben, was bei Krankheit gilt – statt stillschweigend davon auszugehen, dass man ja „eh nur am Laptop sitzt“.
Der Witz an der Sache: Homeoffice sollte eigentlich Erholung und Flexibilität bringen. Tut es auch – solange es nicht zur unsichtbaren Nachtschicht wird, die niemand sieht und deshalb niemand stoppt. Wer krank ist und trotzdem liefert, fällt später oft länger aus. Die Studie sagt das nicht moralisch, sie sagt es mit Zahlen.
Kurz: Nicht das Homeoffice ist das Problem. Das Problem ist das Homeoffice ohne Regeln, ohne Feierabend und ohne die Erlaubnis, einfach mal flachzuliegen.