15.09.2026
Links die Asiatische Honrnisse und rechts ihr heimischer Verwandter
Foto: dbn KI generiert
Schwarzer Körper, orangefarbenes Band am Hinterleib, Beine mit knallgelben Spitzen: Die gelbfüßige Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) hat Tirol erreicht. Vor zwei Wochen erstmals im Gemeindegebiet von Kössen (Bezirk Kitzbühel) entdeckt, ist ihr Sekundärnest am Donnerstag ohne eine einzige Spritze Chemie Geschichte. Heißer Dampf, ein Rohr vom Boden aus – und fertig.
Das Nest hing hoch oben in einem Baum. Für herkömmliche Methoden ein Albtraum. Harald Wiedemann vom Pflanzenschutzdienst des Landes Tirol, ein Mann mit jahrelanger Praxis an genau solchen Nestern, setzte erstmals in Österreich das Verfahren „velutina Steam EX“ ein. Vom Boden aus wurde ein Rohrsystem ins Nest geführt, dann kam der 180-Grad-Dampf. Erwachsene Tiere und die gesamte Brut sind in Minuten tot. Zurückkehrende Arbeiterinnen wurden über dasselbe Rohr abgesaugt, danach das Nest entfernt.
„Das Verfahren kommt ohne Biozide und Insektizide aus und ermöglicht die Behandlung auch von hoch in Bäumen gelegenen Sekundärnestern“, sagt Wiedemann. In Deutschland sei das System bereits erprobt. Für Österreich war Kössen der Praxistest: technische Abläufe, Organisation, Höhe – alles live.
Warum der Aufwand? Weil diese Hornisse kein harmloser Sommergast ist. Im Spätsommer und Frühherbst sitzen in einem Volk bis zu 2.000 Tiere. Täglich können sie mehrere hundert Honigbienen reißen – über die Saison bis zu elf Kilogramm Insekten. Honigbienen, Wildbienen, andere heimische Insekten: Die Liste der Opfer ist lang. Obstbau und öffentliche Sicherheit kommen dazu. Andreas Tschöll, Leiter des amtlichen Pflanzenschutzdienstes, nennt es klar: eine ernstzunehmende Gefahr für die Biodiversität.
Deutschland liefert die Warnung in Echtzeit. In Baden-Württemberg ist die Art großflächig etabliert, die Nachweise wandern Richtung Bayern. „Deshalb ist es für uns wichtig, bereits jetzt praktische Erfahrungen aufzubauen“, so Tschöll. Der Fund in Kössen gilt als Verschleppung einer Königin durch den Menschen. Natürliche Ausbreitung aus Mitteleuropa nach Österreich gilt trotzdem als Frage der Zeit.
Wer also eine Hornisse mit den gelben Fußspitzen oder ein verdächtiges Nest sieht: nicht selbst rangehen, nicht mit Wespenspray rumhantieren. Foto machen – möglichst scharf –, Fundort notieren und sofort melden. Beim Amt der Tiroler Landesregierung, über das zentrale Velutina-Meldeportal oder direkt bei der Gemeinde. Je früher, desto besser. Die nächste Königin wartet nicht auf Einladungen.
Ein Nest weniger. Eine Methode mehr im Werkzeugkasten. Und die klare Ansage: Wer die gelben Füße sieht, soll nicht zuschauen – sondern Bescheid geben.