Ausgabe 2026/07

14.07.2026

Schwere Lkw-Unfälle: Selten, aber oft tödlich

Foto: dbn

Schwere Lkw-Unfälle: Selten, aber oft tödlich

Unfälle mit schweren Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen machen nur einen kleinen Teil des Unfallgeschehens aus – ihre Folgen sind jedoch besonders gravierend. Laut Statistik Austria waren Lkw im Jahr 2025 zwar nur an drei Prozent aller Verkehrsunfälle beteiligt, dennoch kamen dabei österreichweit 73 Menschen ums Leben. Das entspricht rund einem Fünftel aller Verkehrstoten.

Gefahr am Stau-Ende
Besonders riskant sind Auffahrunfälle auf Autobahnen, wenn Fahrzeuge am Ende eines Staus nur langsam rollen oder bereits stehen. Im Jahr 2024 wurden 167 solcher Unfälle registriert, elf Menschen verloren dabei ihr Leben. „Das Problem ist: Gerät ein Pkw unter das Heck des Lkw, das sich auf Höhe der Frontscheibe befindet, sind schwere, oft tödliche Kopfverletzungen die Folge“, erklärt ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé.

Eine aktuelle Untersuchung des ÖAMTC zeigt, dass vorhandene Sicherheitssysteme in solchen Situationen noch nicht zuverlässig genug wirken. In Fahrversuchen mit einem aufblasbaren Lkw-Ziel testete der Mobilitätsclub sieben aktuelle Pkw-Modelle in unterschiedlichen Auffahr-Szenarien bei Geschwindigkeiten zwischen 56 und 130 km/h. Einige Fahrzeuge warnten bereits bei 56 km/h nicht und leiteten auch keine Notbremsung ein. Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h konnte keines der getesteten Systeme eine Kollision in allen Szenarien verhindern – obwohl die Fahrzeuge die gesetzlichen Vorgaben erfüllten.

Unterfahrschutz hält Belastung nicht stand
Auch der getestete Unterfahrschutz zeigte Schwächen. Bei einem Crashtest mit 56 km/h gegen einen Auflieger nach der Norm UN ECE R58.03 blieb der erhoffte Schutzeffekt aus: Der Pkw unterfuhr den Auflieger bis zur B-Säule und kam erst beim Anprall an die Hinterachse des Anhängers zum Stillstand. Zwar sei der Querträger grundsätzlich ausreichend fest, die Verschraubung am Auflieger jedoch nicht stabil genug. Ohne entsprechende Abstützung könne die Schutzwirkung nicht erreicht werden.

Dass bessere Lösungen möglich sind, zeigt laut ÖAMTC ein Test von Euro NCAP: Ein vom amerikanischen Testlabor IIHS mit der „Toughguard“-Zertifizierung ausgezeichneter Auflieger verhinderte erfolgreich ein Unterfahren des Pkw und schützte die Insassinnen und Insassen vor schweren Verletzungen.

ÖAMTC fordert strengere Vorgaben
Der ÖAMTC fordert daher strengere gesetzliche Anforderungen und realitätsnähere Prüfverfahren für Notbremsassistenten und Unterfahrschutzsysteme. „Bestehende Systeme wirken zwar, decken aber noch nicht alle realen Szenarien zuverlässig ab – insbesondere bei der Erkennung des Stau-Endes“, betont Nosé. Auch Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer seien gefordert: Auf monotonen Strecken gelte es, aufmerksam zu bleiben, bei einem Stau-Ende die Warnblinkanlage einzuschalten, Assistenzsysteme aktiviert zu lassen und ausreichend Abstand zu halten.

Quelle: ÖAMTC

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