Ausgabe 2026/06

12.06.2026

Volkswagen gerät beim Schnellladen unter Druck

Foto: dbn

Volkswagen gerät beim Schnellladen unter Druck

Während koreanische und chinesische Hersteller bei der Ladegeschwindigkeit vorlegen, muss Volkswagen seine Elektrostrategie neu justieren. Schnelleres Laden für bezahlbare Modelle dürfte jedoch erst gegen Ende des Jahrzehnts kommen.
Bei der Ladegeschwindigkeit seiner Elektroautos bewegt sich Volkswagen derzeit nur im Mittelfeld. Fahrerinnen und Fahrer eines ID.4 oder ID.7 müssen beim Laden von 10 auf 80 Prozent aktuell rund 26 bis 30 Minuten einplanen. Im Alltag ist das für viele Nutzerinnen und Nutzer eine spürbare Wartezeit – vor allem, weil die Konkurrenz bereits deutlich schneller unterwegs ist.


Besonders Hersteller aus Südkorea setzen Volkswagen unter Druck. Einige moderne Modelle kommen bereits auf Ladezeiten von rund 18 Minuten. Noch größer ist der Abstand zu chinesischen Anbietern, die mit sogenannter Flash-Charging-Technik werben. Dort sollen Akkus binnen weniger Minuten wieder auf ein alltagstaugliches Niveau gebracht werden, während europäische Hersteller weiterhin an Kosten, Batterietechnik und Ladeinfrastruktur feilen.

Volkswagen verweist auf die kommende SSP-Plattform, die ab 2028 oder 2029 eine neue 800-Volt-Architektur bringen soll. Diese Technik gilt als wichtige Voraussetzung für deutlich kürzere Ladezeiten. Für viele aktuelle und kurzfristig geplante Modelle kommt sie jedoch zu spät, um den Abstand zur schnelleren Konkurrenz rasch zu verkleinern.

Nach Angaben von Volkswagen-Vertriebschef Martin Sander ist die Technik für superschnelles Laden im Labor bereits vorhanden. Der entscheidende Punkt sei jedoch nicht allein die technische Machbarkeit, sondern die wirtschaftliche Umsetzung im Massenmarkt. In bezahlbaren Modellen rechnet Sander mit solchen Ladeleistungen erst in Richtung 2030.

Ein Blick auf Porsche zeigt, was innerhalb des Konzerns technisch möglich ist: Der neue Cayenne Electric soll Ladezeiten von rund 16 Minuten erreichen. Doch diese Fortschritte bleiben vorerst dem Premiumsegment vorbehalten. Für Volkswagen besteht damit die Herausforderung, leistungsfähige Batterietechnik mit einem Preisniveau zu verbinden, das für breite Käuferschichten attraktiv bleibt.

Der Wettbewerb verschärft sich unterdessen weiter. Neben chinesischen Marken könnte auch Stellantis beim Ausrollen schnellerer Ladetechnik Tempo machen. Für Volkswagen wird die Ladegeschwindigkeit damit zu einer strategischen Frage: Wer Kundinnen und Kunden langfristig überzeugen will, muss nicht nur Reichweite bieten, sondern auch kurze Stopps an der Ladesäule. Gelingt das nicht rechtzeitig, könnten Marktanteile schneller unter Druck geraten, als der Konzern seine nächste Plattform auf die Straße bringt.

Quelle: t-online

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