15.06.2026
Foto: dbn
Wer mit Auto oder Motorrad ins Ausland reist, sollte sich vorab nicht nur über die Route, sondern auch über die geltenden Verkehrsregeln informieren. Denn viele Vorschriften unterscheiden sich deutlich von jenen in Österreich – und Verstöße können in beliebten Urlaubsländern rasch mehrere hundert Euro kosten. In Einzelfällen drohen sogar Fahrzeugbeschlagnahme oder Freiheitsstrafen.
„Gerade in beliebten Urlaubsländern kann eine kleine Unachtsamkeit schnell mehrere hundert Euro kosten – oder am Ende sogar das Fahrzeug“, warnt ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. Noch immer hielten sich viele Irrtümer und Mythen rund um Verkehrsstrafen im Ausland. Unwissenheit schütze jedoch nicht vor Strafe, betont Pronebner. Reisende sollten sich daher rechtzeitig vor Reiseantritt über die Vorschriften im Zielland informieren.
Alkohol am Steuer kann mehr als eine Geldstrafe bedeuten
Ein besonders folgenreicher Irrtum betrifft Alkohol am Steuer. Wer glaubt, dass im Ausland höchstens eine Geldstrafe droht, liegt falsch. In Italien kann ein Fahrzeug beschlagnahmt werden, wenn Fahrerinnen oder Fahrer mit 1,5 Promille oder mehr unterwegs sind und zugleich als Eigentümerin oder Eigentümer eingetragen sind. In Spanien droht ab 1,2 Promille sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Monaten. Bereits ab 0,5 Promille werden in Spanien und Deutschland mindestens 500 Euro fällig, in Italien mindestens 545 Euro.
Tempoverstöße sind nicht überall gleich teuer
Auch bei Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt es große Unterschiede. Während manche Reisende annehmen, dass zu schnelles Fahren in Europa überall ähnlich viel kostet, zeigen Beispiele aus mehreren Ländern ein anderes Bild. In Norwegen kostet eine Überschreitung um 20 km/h mindestens 750 Euro, in Schweden beginnen die Strafen bei 225 Euro. In Italien werden für 20 km/h zu viel mindestens 175 Euro fällig; bei Nacht erhöht sich der Betrag um ein Drittel. Wer in Norwegen 50 km/h zu schnell fährt, muss sogar mit mindestens 1.365 Euro rechnen.
Falschparken kann Jahre später noch Folgen haben
Falschparken wird in manchen Urlaubsländern ebenfalls deutlich strenger geahndet, als viele vermuten. In Spanien können bis zu 200 Euro fällig werden, in Ungarn rund 400 Euro. Besonders problematisch sind Nachforderungen aus Kroatien: ÖAMTC-Mitglieder berichten immer wieder von Forderungen über etwa 200 Euro, die teils erst Jahre nach dem Vorfall eintreffen, weil damals kein Parkticket gekauft wurde. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte Parktickets fotografieren und Zahlungsbelege mindestens fünf Jahre lang aufbewahren.
Handy am Steuer und fehlender Gurt werden teuer
Streng geahndet wird im Ausland auch das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung. In Frankreich kostet ein Verstoß mindestens 135 Euro, in Italien 250 Euro und in Spanien 200 Euro aufwärts. Ähnlich hoch können die Strafen bei fehlendem Sicherheitsgurt ausfallen. Während in Österreich mindestens 50 Euro zu zahlen sind, werden in Spanien 200 Euro oder mehr fällig, in Griechenland sogar 350 Euro.
Für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ist zudem die Helmpflicht besonders wichtig. In Griechenland drohen bei Verstößen hohe Geldstrafen oder sogar ein Führerscheinentzug.
Strafzettel aus dem Ausland besser nicht ignorieren
Wer einen Strafzettel aus dem Ausland erhält, sollte diesen nicht einfach ignorieren. Offene Strafen aus EU-Staaten können auch in Österreich zwangsweise eingetrieben werden. Zudem können nicht bezahlte Strafen bei einer Wiedereinreise in das betreffende Urlaubsland erneut zum Problem werden.
Pronebner rät, Strafen nach Möglichkeit noch vor Ort oder zumindest möglichst rasch zu begleichen und die Zahlungsbestätigung aufzubewahren. In manchen Ländern gibt es bei schneller Zahlung deutliche Nachlässe: In Spanien wird der Betrag bei Zahlung innerhalb von 20 Tagen halbiert, in Italien gibt es bei Begleichung binnen fünf Tagen einen Nachlass von 30 Prozent. Wer hingegen zu spät bezahlt, muss dort mit einer Verdoppelung der Strafe rechnen.
Der ÖAMTC empfiehlt Reisenden daher, sich vor der Abfahrt über Promillegrenzen, Tempolimits, Parkregeln und weitere Vorschriften im Zielland zu informieren. Denn gerade im Urlaub kann ein vermeintlich kleiner Fehler rasch teuer werden.
Quelle: ÖAMTC