12.06.2026
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Die geplante Anhebung der Alkoholsteuer ab 2027 soll dem Staat zusätzliche Einnahmen bringen. Der Fachverband der Lebensmittelindustrie bezweifelt jedoch die Prognosen des Finanzministeriums und warnt vor Ausweichreaktionen, Einkaufstourismus und Folgekosten für Wirtschaft und Staatshaushalt.
Mit dem am Mittwoch im Ministerrat verabschiedeten Budgetbegleitgesetz soll die Alkoholsteuer ab 1. Jänner 2027 um 30 Prozent steigen. Konkret würde der Satz von 1.200 auf 1.560 Euro je 100 Liter reinen Alkohols angehoben. Das Finanzministerium rechnet dadurch mit Mehreinnahmen von 35 Millionen Euro im Jahr 2027 und 45 Millionen Euro ab 2028.
Kritik an den Einnahmenprognosen
Der Fachverband der Lebensmittelindustrie hält diese Erwartungen für zu optimistisch. Geschäftsführerin Mag. Katharina Koßdorff verweist darauf, dass Konsumentinnen und Konsumenten in der Praxis auf niedriger besteuerte Alternativen ausweichen oder Einkäufe ins benachbarte Ausland verlagern könnten. Die Gesamtbilanz für den Staatshaushalt werde dadurch nach Einschätzung des Fachverbands nicht positiv, sondern negativ ausfallen.
Erfahrungen aus früheren Steuererhöhungen
Als Beleg führt der Verband die letzte Erhöhung der Alkoholsteuer im Jahr 2014 an. Damals wurde die Steuer um 20 Prozent angehoben, die jährlichen Mehreinnahmen lagen demnach jedoch nur bei rund 10 Millionen Euro und damit deutlich unter dem erwarteten linearen Effekt. Zugleich sei das Spirituosenvolumen um rund eine Million Liter pro Jahr zurückgegangen und habe sich erst nach acht Jahren wieder erholt. Eine Erhöhung um 30 Prozent könnte laut Verband einen noch stärkeren Rückgang auslösen.
Mögliche Folgekosten für Handel, Gastronomie und Regionen
Nach Ansicht des Fachverbands greift eine reine Betrachtung der Alkoholsteuer zu kurz. Sinkende Umsätze in Handel und Gastronomie könnten auch das Mehrwertsteueraufkommen reduzieren. Zudem könnten mögliche Personalrückgänge entlang der Wertschöpfungskette Lohnsteuer- und Sozialversicherungseinnahmen schmälern. Hinzu kämen mögliche Einbußen im Tourismus sowie mehr Einkaufstourismus in Länder mit niedrigeren Steuersätzen, etwa Italien oder die Slowakei.
Unter Berücksichtigung dieser Effekte erwartet der Fachverband statt der vom Finanzministerium prognostizierten Mehreinnahmen von 45 Millionen Euro eine gesamtwirtschaftliche Steuerbilanz, die eher in Richtung minus 50 Millionen Euro pro Jahr gehen könnte.
Branche sieht sich bereits stark belastet
Der Verband verweist außerdem auf die bereits hohe Steuerlast bei Spirituosen. Diese würden rund 45 Prozent des Steueraufkommens aus alkoholischen Getränken tragen, obwohl sie nur rund 14 Prozent des Alkoholkonsums ausmachten. Zugleich stehe die Branche laut Verband für rund eine Milliarde Euro Bruttowertschöpfung, 15.000 Arbeitsplätze sowie 690 Millionen Euro an Steuer- und Abgabenleistungen.
Koßdorff fordert daher eine evidenzbasierte Überprüfung der Maßnahme, bevor sie 2027 in Kraft tritt. Statt auf höhere Steuern zu setzen, solle die Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelindustrie gestärkt werden, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich zu sichern.
Quelle: Fachverband der Lebensmittelindustrie