15.05.2026
Foto: APG/Niklas Stadler
Ein fast verschwundener Greifvogel breitet sich in Österreich wieder aus: Der stark gefährdete Sakerfalke profitiert von einem Schutzprojekt auf Hochspannungsmasten. Mittlerweile brüten rund zwei Drittel der heimischen Population im Netz der Austrian Power Grid (APG).
Österreich verzeichnet beim Schutz des Sakerfalken einen bemerkenswerten Erfolg. Während es um 1970 nur noch zwei bis vier Brutpaare der seltenen Greifvogelart gab, wurden im Jahr 2025 bereits 59 Brutpaare gezählt. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet ein Projekt der Austrian Power Grid (APG), bei dem seit 2004 spezielle Nisthilfen auf Hochspannungsmasten montiert werden.
Die künstlichen Brutplätze befinden sich in rund 60 Metern Höhe und bieten den Vögeln sichere Bedingungen. Nach Angaben der APG wurden in mehr als 100 Nisthilfen bereits rund 850 Jungfalken flügge. „Ein besonders sichtbares Beispiel dafür ist das erfolgreiche Schutzprojekt für den stark gefährdeten Sakerfalken“, sagt APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner.
Die Strommasten bieten den Tieren Ruhe, Überblick und Schutz. Da Sakerfalken keine eigenen Nester bauen, sind sie auf bestehende Strukturen angewiesen. Genau hier setzen die Nisthilfen an. Sie bestehen aus langlebigem Aluminium, sind wartungsarm und werden von den Vögeln gut angenommen.
Begleitet wird das Projekt von der Österreichischen Vogelwarte und BirdLife Österreich. Seit 2011 wird die Entwicklung der Population systematisch erfasst. Ornithologinnen und Ornithologen beobachten die Brutplätze, dokumentieren Schlupf und Bruterfolg und kontrollieren die Jungvögel regelmäßig.
Ein Höhepunkt der Brutsaison ist die Beringung im Mai. Dabei werden die Jungfalken in der dritten bis vierten Lebenswoche vorsichtig aus dem Nest geholt, untersucht und mit einem Aluminiumring versehen. So lassen sich Wanderbewegungen und Überlebensraten nachvollziehen. Wiederfunde zeigen, dass junge Sakerfalken teils bis nach Südosteuropa oder Nordafrika ziehen und später oft in ihre Geburtsregion zurückkehren.
Die aktuellen Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass der Bestand entlang der Hochspannungstrassen inzwischen eine natürliche Sättigung erreicht. Dennoch gilt das Projekt als wichtiges Beispiel dafür, wie Infrastruktur und Artenschutz erfolgreich zusammenspielen können.
Quelle: Austrian Power Grid AG