13.05.2026
Foto: dbn
Der typische Geruch eines Neuwagens ist für viele ein Zeichen von Frische und Luxus – für manche aber auch ein Grund zur Sorge. Immer wieder melden sich Besitzer neuer Fahrzeuge beim ÖAMTC, weil sie sich fragen, ob die Luft im Innenraum womöglich gesundheitsschädlich sein könnte. Eine aktuelle Untersuchung des ADAC gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik liefert nun weitgehend Entwarnung: In keinem der vier getesteten Modelle war die gemessene Luftqualität aus gesundheitlicher Sicht bedenklich. Untersucht wurden ein VW Golf, ein Hyundai Kona, ein Dacia Spring und ein BYD Seal 6. Im Fokus standen dabei flüchtige organische Verbindungen, Formaldehyd und aromatische Kohlenwasserstoffe – also genau jene Stoffe, die beim „Neuwagengeruch“ eine Rolle spielen.
Belastung sinkt rasch – schon nach wenigen Monaten deutlich bessere Werte
Besonders interessant: Die Emissionen im Fahrzeuginneren gehen offenbar deutlich schneller zurück, als viele vermuten würden. Laut ÖAMTC-Techniker Dominik Darnhofer waren die Ausdünstungen von Materialien und Klebestoffen direkt nach der Auslieferung zwar noch erhöht, doch bereits nach einem halben Jahr zeigte sich beim VW Golf ein klarer Rückgang: Die Gesamtemissionen sanken um rund 80 Prozent. Wer regelmäßig stoßlüftet, kann die Belastung zusätzlich spürbar reduzieren. Gleichzeitig rückt auch die Gesetzgebung näher: Ab 6. August 2027 gilt für neu zugelassene Fahrzeuge in der EU ein verbindlicher Formaldehyd-Grenzwert von 0,062 mg/m³ bei 23 Grad Celsius. Die gute Nachricht:
Alle vier getesteten Modelle unterschreiten diesen Wert schon jetzt.
Ganz unproblematisch ist die Lage bei großer Hitze allerdings noch nicht. Unter simulierter starker Sonneneinstrahlung, bei der sich Ausgasungen im Innenraum massiv beschleunigen, überschritten der VW Golf, der Dacia Spring und der BYD Seal 6 den Vorsorgerichtwert des Ausschusses für Innenraumrichtwerte von 0,10 mg/m³. Der ÖAMTC fordert deshalb, dass Hersteller die Empfehlungen zu Innenraumemissionen künftig konsequent schon ab Werk und im Neuwagenzustand erfüllen. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Alter des Fahrzeugs: Autos, die bereits mehrere Monate beim Händler standen, dünsten meist deutlich weniger aus als frisch produzierte Modelle. Wer das genaue Herstellungsdatum seines Autos wissen will, findet es im COC-Papier unter Punkt 0.11 „Date of manufacture of the vehicle“. Gerade für Familien mit Kleinkindern und für Allergiker kann dieser Blick ins Dokument besonders sinnvoll sein.
So lässt sich die Luft im neuen Auto rasch verbessern
Für den Alltag hat der ÖAMTC klare Empfehlungen: Bei fabrikneuen Fahrzeugen sollte man vor jeder Fahrt zunächst alle Türen öffnen und das Auto für etwa zwei Minuten gut durchlüften. Das senkt die Schadstoffbelastung sofort und spürbar. In der ersten Zeit ist es außerdem sinnvoll, auf den Umluftbetrieb der Klimaanlage möglichst zu verzichten. Besondere Vorsicht gilt bei Babys, Kleinkindern und Schwangeren: Steht das Fahrzeug in der prallen Sonne, sollte vor dem Einsteigen konsequent gelüftet werden. So wird aus dem intensiven Neuwagengeruch zwar nicht sofort ein vertrauter Alltagsduft – aber zumindest deutlich schneller ein kleineres Problem.
Quelle: ÖAMTC