Ausgabe 2026/05

13.05.2026

Umfrage zeigt Schwächen bei Mülltrennung in Wohnhausanlagen

Foto: dbn

Umfrage zeigt Schwächen bei Mülltrennung in Wohnhausanlagen

Für die meisten Menschen in österreichischen Wohnhausanlagen ist funktionierende Mülltrennung ein wichtiges Thema. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von ÖSTERREICH SAMMELT zeigt jedoch, dass die praktische Umsetzung im gemeinsamen Müllraum deutlich kritischer gesehen wird. Zwar halten 78 Prozent der Befragten die getrennte Sammlung von Abfällen für wichtig, doch nur 9 Prozent bewerten sie in ihrer eigenen Wohnhausanlage als sehr gut.

Wie das Market Institut im Rahmen einer Online-Erhebung herausfand, wurde für die Studie 2000 Menschen in ganz Österreich befragt, die in Mehrparteienhäusern mit mindestens zehn Wohneinheiten leben. Untersucht wurden nicht nur Einstellungen und Motivation zur Mülltrennung, sondern auch konkrete Alltagserfahrungen im Müllraum. Die Ergebnisse zeigen, an welchen Punkten die getrennte Sammlung in der Praxis besonders häufig ins Stocken gerät.

Besonders häufig nennen die Befragten drei Problemfelder: 33 Prozent berichten, dass Abfälle in ihrer Wohnhausanlage oft falsch oder gar nicht getrennt werden. 32 Prozent erleben regelmäßig, dass Kartons und Verpackungen unzerkleinert entsorgt werden. Zudem klagt knapp ein Viertel über häufig überfüllte Mülltonnen. Gerade diese alltäglichen Ärgernisse sorgen laut Studie immer wieder für Frust unter den Bewohnern.
„Als Bewohner eines Mehrparteienhauses erlebt man solche Situationen tagtäglich. Österreichweite Erhebungen lagen dazu bisher nicht vor“, sagt Andreas Pertl, Sprecher von ÖSTERREICH SAMMELT. „Mit den Ergebnissen dieser Umfrage liegt nun eine belastbare Grundlage vor, die persönliche Erfahrungen einordnet und es uns und anderen Akteuren ermöglicht, darauf zu reagieren.“

Trotz der genannten Probleme ist die Bereitschaft zur Mülltrennung grundsätzlich hoch. 93 Prozent der Befragten geben an, zu Hause auf eine getrennte Sammlung von Verpackungsabfällen zu achten. Je nach Abfallart zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Während 85 Prozent Altpapier nach eigenen Angaben immer richtig entsorgen und 77 Prozent Altglas korrekt trennen, liegt der Wert bei Leicht- und Metallverpackungen bei 63 Prozent. Beim Biomüll sind es nur 39 Prozent.

Nachbarn werden kritisch gesehen
Auffällig ist zudem die unterschiedliche Wahrnehmung des eigenen und fremden Verhaltens. Nur 51 Prozent sind der Ansicht, dass andere Bewohner in ihrer Wohnhausanlage zumindest einigermaßen auf die getrennte Sammlung von Verpackungsabfällen achten. In besonders großen Anlagen mit mehr als 100 Wohnungen sinkt dieser Wert sogar auf 43 Prozent. Mehr als ein Drittel der Befragten gewinnt den Eindruck, dass in der Nachbarschaft eher wenig oder gar nicht getrennt wird. Als Grund nennen viele einen Ansteckungseffekt: Wer sieht, dass andere nicht trennen, ist selbst weniger motiviert.

Sichtbares Verhalten beeinflusst den Alltag
„Der Umkehrschluss gilt genauso: Wenn Mülltrennung im Haus sichtbar gelebt wird, kann auch das ansteckend wirken. Gerade in Wohnhausanlagen zeigt sich, dass mit der Zahl der Menschen, die sich die Infrastruktur teilen, auch der Bedarf an klaren Regeln und guter Organisation steigt“, sagt Pertl. „Aus Erfahrung wissen wir, dass Mülltrennung im Alltag für alle besser funktioniert, wenn sie einfach und eindeutig ist und alle gleich gut informiert sind.“

Klare Informationen und mehr Infrastruktur gefragt
Aus Sicht der Befragten sind vor allem konkrete Verbesserungen notwendig, damit Mülltrennung im Wohnhausalltag besser funktioniert. 54 Prozent halten ausreichende Trennmöglichkeiten in der Wohnhausanlage für besonders wichtig. Ebenso viele wünschen sich eine klare Beschilderung, welcher Abfall wohin gehört. 47 Prozent nennen einheitliche Informationen zur Mülltrennung als entscheidend, 46 Prozent sehen im stärkeren Bewusstsein für das Trennverhalten aller Bewohner einen wichtigen Hebel.

ÖSTERREICH SAMMELT will die Ergebnisse nun gemeinsam mit städtischen Fachabteilungen, Abfallwirtschaftsverbänden, Sammel- und Verwertungssystemen sowie Hausverwaltungen weiter auswerten. Ziel ist es, auf Basis der Umfrage konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um die Qualität und Menge der getrennten Sammlung von Altstoffen in Wohnhausanlagen zu verbessern.

Quelle: VKS Verpackungskoordinierungsstelle gemeinnützige Gesellschaft mbH

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