13.05.2026
Foto: MKÖ / Martin Jordan
Mehr als 13.000 Menschen aus dem In- und Ausland haben am 10. Mai 2026 an der internationalen Befreiungsfeier der KZ-Gedenkstätte Mauthausen teilgenommen. Gemeinsam mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Lucy Waldstein und Katja Sturm-Schnabl, internationalen Delegationen und zahlreichen Jugendlichen erinnerten sie an die Befreiung des Konzentrationslagers und an dessen Opfer. Im Mittelpunkt der Feier stand heuer das Thema „Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus“.
81 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen stand die internationale Befreiungsfeier ganz im Zeichen des Erinnerns und Mahnens. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Mauthausen Komitee Österreich gemeinsam mit dem Comité International de Mauthausen und der Österreichischen Lagergemeinschaft.
Auch an mehr als hundert ehemaligen Außenlagerstandorten in ganz Österreich wird im Lauf des Jahres der Opfer gedacht. Die Befreiungsfeier in Mauthausen gilt als größte Gedenkveranstaltung dieser Art in Europa. Sie wurde erneut live auf dem YouTube-Kanal des Mauthausen Komitees Österreich übertragen und war auch im ORF zu sehen. Neben Regierungsmitgliedern, internationalen Delegationen und Überlebenden nahmen zahlreiche Jugendliche an der Feier teil.
Thematischer Schwerpunkt auf Tätern und Täterinnen
Im Jahr 2026 widmen sich die Gedenk- und Befreiungsfeiern des Mauthausen Komitees Österreich dem Schwerpunkt „Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus“. Damit rückt die Rolle jener Menschen in den Vordergrund, die durch aktives Handeln, Mitwirkung oder Wegsehen zur Umsetzung und Aufrechterhaltung des nationalsozialistischen Terrorsystems beigetragen haben. Ziel ist es, gesellschaftliche und individuelle Mechanismen sichtbar zu machen, die diese Verbrechen ermöglichten, und daraus Lehren für die Gegenwart zu ziehen.
Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich, betonte die Bedeutung dieses Zugangs. Erinnerung dürfe nicht bei den Opfern stehen bleiben, sondern müsse auch die Frage stellen, wie Täter und Täterinnen handeln konnten und welche Strukturen dies ermöglichten. Nur so lasse sich verhindern, dass sich Ausgrenzung, Entmenschlichung und Gewalt wiederholten, sagte Mernyi.
Gedenkzug als zentrales Zeichen des Erinnerns
Tausende Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus nahmen an der Befreiungsfeier teil, darunter die letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager sowie zahlreiche Jugendliche. Der Gedenkzug bildete erneut das zentrale Element der Veranstaltung und führte über das Gelände der ehemaligen Konzentrationslagerstätte.
Eröffnet wurde die Feier mit einer mehrsprachigen virtuellen Verlesung des „Mauthausen-Schwurs“. Anschließend wandte sich der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich, Willi Mernyi, mit Begrüßungsworten an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort sowie an das internationale Publikum vor den Bildschirmen. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Meira Mandlburger Connection und die Oberösterreichische Militärmusik.
Im Rahmen des Gedenkens legten rund 130 internationale Delegationen Kränze nieder. Redebeiträge von Vertretern und Vertreterinnen des Mauthausen Komitees Österreich sowie von Guy Dockendorf, dem Präsidenten des Comité International de Mauthausen, unterstrichen die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur. Moderiert wurde die Feier erneut mehrsprachig von Konstanze Breitebner und Mercedes Echerer. Erstmals wurden sie dabei von den Gebärdensprachdolmetscherinnen Sabine Zeller und Panto Trivcovic begleitet. Der Gedenkzug endete symbolisch mit dem Auszug aus dem ehemaligen Schutzhaftlager als Zeichen der Befreiung der KZ-Häftlinge im Jahr 1945. Im Anschluss bestand die Möglichkeit zum stillen, individuellen Gedenken.
Verbesserte digitale Teilhabe vor Ort
Erstmals wurde den Besucherinnen und Besuchern der internationalen Befreiungsfeier 2026 eine deutlich bessere digitale Teilhabe vor Ort ermöglicht. Dank einer Kooperation mit A1 stand auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eine leistungsfähigere Internetverbindung zur Verfügung. Dadurch konnte die Gedenkzeremonie am Appellplatz heuer live auf dem eigenen Smartphone mitverfolgt werden, auch aus Bereichen des Denkmalbezirks und vom Steinbruch aus. Nach Angaben des Mauthausen Komitees Österreich erhielten damit vor allem jene Besucherinnen und Besucher einen barriereärmeren Zugang, die nicht unmittelbar am Hauptgeschehen teilnehmen konnten.
Quelle: MKÖ