15.05.2026
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Die geplante Erhöhung der Steuer auf Spirituosen um 30 Prozent sorgt in der österreichischen Tourismusbranche für heftigen Widerstand. Vertreter von Gastronomie und Hotellerie sehen darin eine zusätzliche Belastung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und warnen vor Nachteilen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich. Susanne Kraus-Winkler, Bundesspartenobfrau der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, betonte, regionale Getränke und österreichische Genusskultur seien ein wesentlicher Teil des touristischen Angebots. Zusätzliche Steuern würden aus ihrer Sicht Betriebe und Gäste gleichermaßen treffen, den Wettbewerbsdruck gegenüber den Nachbarländern erhöhen und die Inflation weiter anheizen.
Gastronomie sieht sich in angespannter Lage
Auch aus der Gastronomie kommt deutliche Kritik. Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, verweist auf den anhaltend hohen wirtschaftlichen und strukturellen Druck in der Branche. Vor allem die Kosten für Energie, Mitarbeiter und Wareneinsatz seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, während operative Ergebnisse und Gästefrequenz weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie lägen. Besonders angespannt sei die Situation in der Nachtgastronomie. Dass gerade dieser Bereich nun durch höhere Steuern zusätzlich belastet werden solle, sei für die Branche nicht nachvollziehbar.
Ähnlich beurteilt die Hotellerie die Lage. Georg Imlauer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie, erklärt, dass fast 90 Prozent der Betriebe die massiven Kostensteigerungen nicht oder nur teilweise über höhere Preise weitergeben könnten. Zwar sei die Auslastung vieler Häuser gut, die Betriebsergebnisse stagnierten jedoch auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig beobachte die Branche eine wachsende Preissensibilität und eine spürbare Kaufzurückhaltung bei den Gästen. Eine zusätzliche Besteuerung des gastronomischen Angebots würde den wirtschaftlichen Druck nach Einschätzung der Hotellerie weiter verschärfen.
Tourismus als Motor regionaler Wertschöpfung
Nach Ansicht der Branche geht es dabei nicht nur um einzelne Hersteller von Spirituosen. Regionale Spezialitäten und gastronomische Angebote gelten als fester Bestandteil der österreichischen Tourismusidentität. Eine Steueranhebung treffe daher die gesamte touristische Wertschöpfungskette und alle Unternehmen, die alkoholische Getränke anbieten. Kraus-Winkler betont, der Tourismus lebe von Qualität, Gastfreundschaft und regionaler Vielfalt. Zusätzliche steuerliche Belastungen würden aus ihrer Sicht gerade jene Betriebe schwächen, die wesentlich zur regionalen Beschäftigung und Wertschöpfung beitragen.
Branche bezweifelt Nutzen für das Budget
Aus Sicht der Branche steht der erwartete Nutzen für das Budget in keinem Verhältnis zu den möglichen Folgen für Unternehmen, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit. Frühere Erfahrungen mit höheren Verbrauchssteuern hätten gezeigt, dass zusätzliche Einnahmen oft begrenzt blieben, während Konsumrückgänge und Ausweichreaktionen zunähmen. Dazu zählten etwa Verlagerungen in den privaten Bereich oder Einkäufe im benachbarten Ausland. Die Tourismusvertreter fordern stattdessen Entlastungen, Investitionsanreize, weniger Bürokratie und schnellere Behördenverfahren, um Betriebe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu unterstützen.
Quelle: WKO