15.05.2026
Foto: dbn
In Niederösterreich häufen sich laut Konsumentenschützern Fälle, in denen Menschen in Notsituationen mit überhöhten Rechnungen und fragwürdigen Zusatzkosten konfrontiert werden. Allein im Jahr 2025 wurden im Bereich Installateur und Elektriker 120 geschädigte Konsumenten registriert.
Vor illegalen Praktiken bei Schlüsseldiensten und anderen Dienstleistern, die aus akuten Notlagen Kapital schlagen, haben am Mittwoch Konsumentenschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz und Isabella Mittelstrasser vom Verein Pro Konsument in St. Pölten gewarnt. Im Mittelpunkt standen Fälle, in denen Betroffene unter Zeitdruck schnelle Hilfe suchen mussten – etwa nach einer ausgesperrten Wohnung, einem defekten Schloss, einem Heizungsausfall im Winter oder einem Wasserrohrbruch.
Gerade in solchen Stresssituationen seien Konsumenten besonders anfällig für überteuerte Angebote, hieß es. Problematisch sei vor allem, dass bei Internetsuchen häufig bezahlte Anzeigen ganz oben aufscheinen und dadurch Seriosität vortäuschen. Nach Angaben von Pro Konsument ist die Zahl der Anfragen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Für 2025 wurden allein bei Installateuren und Elektrikern 120 Fälle gemeldet, die Dunkelziffer dürfte jedoch wesentlich höher liegen. Viele Betroffene berichteten von Rechnungen über mehr als 1.000 Euro, von hohen Anfahrtskosten sowie von Nacht-, Feiertags- und Wochenendzuschlägen. In manchen Fällen seien zudem Arbeiten verrechnet worden, die gar nicht notwendig gewesen seien. Rückforderungen gestalteten sich oft schwierig, weil die verantwortlichen Firmen später kaum mehr greifbar seien. Auch der Druck, sofort bar zu bezahlen, spiele bei vielen Fällen eine zentrale Rolle. Diese Angaben werden auch in aktuellen Medienberichten bestätigt.
Neben Notdiensten rückten auch Haustürgeschäfte in den Fokus. Dabei würden immer wieder Personen unangekündigt klingeln und Reinigungsarbeiten an Fassaden oder Pflastersteinen anbieten. Konsumentenschützer raten auch hier zu besonderer Vorsicht, vor allem wenn Preise und Leistungsumfang unklar bleiben. Zugleich wurde betont, dass unseriöse Anbieter nicht mit der gesamten Branche gleichgesetzt werden dürften, da es zahlreiche heimische Betriebe gebe, die verlässlich und korrekt arbeiten.
Als wichtigste Vorsichtsmaßnahme empfiehlt Pro Konsument, zunächst zu prüfen, ob tatsächlich ein Notfall vorliegt oder ob das Problem bis zum nächsten Werktag warten kann. Dann bleibe eher Zeit, Vergleichsangebote regionaler Betriebe einzuholen. Zudem sollten Verbraucher bereits im Vorfeld die Kontaktdaten eines geprüften Anbieters bereithalten und bei der Suche im Internet nicht automatisch den ersten Treffer auswählen. Vor einer Beauftragung sei es wichtig, Impressum, Firmenname, Adresse und Gewerbeberechtigung zu kontrollieren sowie den Gesamtpreis möglichst genau vorab zu klären. Besondere Vorsicht sei bei 0800-Nummern und Callcentern im Ausland geboten. Wer sich massiv unter Druck gesetzt oder getäuscht fühle, solle nicht zögern, die Polizei einzuschalten. Als hilfreiche Anlaufstellen nannten die Konsumentenschützer unter anderem die App „Mein Aufsperrdienst“, eine telefonische Auskunft sowie Informationen der Watchlist Internet.
Quelle: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung