Ausgabe 2026/05

15.05.2026

71 Millionen Euro EU-Agrargelder für Herrscherfamilie aus den Emiraten

Foto: dbn

71 Millionen Euro EU-Agrargelder für Herrscherfamilie aus den Emiraten

Eine internationale Recherche sorgt für Aufsehen: Die Herrscherfamilie Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten soll in den vergangenen sechs Jahren rund 71 Millionen Euro aus EU-Agrarfördertöpfen erhalten haben. Nun werden Forderungen nach strengeren Obergrenzen bei den Zahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik laut.

Ausgelöst wurde die Debatte durch eine Recherche der Plattform DeSmog und der britischen Zeitung The Guardian. Demnach erhielt die regierende Familie Al Nahyan insgesamt 71 Millionen Euro an EU-Agrarförderungen. Möglich wurde das offenbar durch umfangreichen Landbesitz in Rumänien, Spanien und Italien: Insgesamt soll die Familie über rund 65.000 Hektar Ackerland verfügen – eine Fläche, die größer ist als das Stadtgebiet von Wien.

Scharfe Kritik kommt vom österreichischen EU-Abgeordneten Thomas Waitz, Delegationsleiter der Grünen im Europäischen Parlament und Schattenberichterstatter zur Agrarpolitik. Er bezeichnet die Zahlungen als skandalös. Es sei nicht nachvollziehbar, dass eine auf mehr als 320 Milliarden Dollar geschätzte Herrscherfamilie EU-Gelder als Einkommensstützung erhalte. Besonders brisant sei aus seiner Sicht, dass diese Mittel ausgerechnet an eine Familie flössen, die einen Staat ohne freie Presse und ohne politische Opposition regiere.

Politisch gewinnt der Fall zusätzliche Bedeutung, weil im Rahmen des EU-Haushalts für die Jahre 2028 bis 2035 auch die nächste Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik verhandelt wird. Die Diskussion über eine gerechtere Verteilung der Agrarsubventionen dürfte dadurch neuen Auftrieb erhalten.

Waitz fordert deshalb eine klare Obergrenze für Förderzahlungen. Nach seinen Angaben erhielten 99 Prozent der europäischen Landwirtinnen und Landwirte weniger als 100.000 Euro an Subventionen. Das Agrarbudget müsse jenen zugutekommen, die tatsächlich landwirtschaftlich arbeiten, nicht ultrareichen Großgrundbesitzern oder Industriedynastien. Nur mit verbindlichen Fördergrenzen lasse sich sicherstellen, dass EU-Gelder künftig gerechter verteilt werden, so der Abgeordnete.

Quelle: Grüner Klub im Parlament

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