Ausgabe 2026/04

14.04.2026

Asbest-Schotter aus dem Burgenland löst Gesundheitsalarm in Ungarn aus

Foto: dbn

Asbest-Schotter aus dem Burgenland löst Gesundheitsalarm in Ungarn aus

In der ungarischen Stadt Szombathely ist nach alarmierenden Messergebnissen ein Gesundheitsnotstand ausgerufen worden. Ursache ist eine deutlich erhöhte Asbestbelastung der Luft, die auf den Einsatz von asbesthaltigem Straßenmaterial aus dem Burgenland zurückgeführt wird. Messungen in einer Wohnsiedlung ergaben Konzentrationen von bis zu 292.000 Asbestfasern pro Kubikmeter Luft – ein Wert, der weit über allen empfohlenen Grenzwerten liegt.

Die Untersuchungen wurden von jenem Labor durchgeführt, das auch regelmäßig für das Land Burgenland tätig ist. Gemessen wurde unter realistischen Bedingungen bei trockenem Wetter. Die Ergebnisse zeigen nach Einschätzung von Umweltexperten klar, welches Risiko von dem verwendeten Schottermaterial ausgeht, sobald Staub aufgewirbelt wird.

Während die ungarischen Behörden rasch reagierten und umfassende Schutzmaßnahmen ergriffen, steht das Krisenmanagement im Burgenland zunehmend in der Kritik. In Ungarn wurden unmittelbar Verkehrsbeschränkungen eingeführt, die regelmäßige Befeuchtung der Straßen angeordnet und das Tragen von FFP3-Schutzmasken empfohlen. Zusätzlich raten die Behörden dazu, bei staubigem Wetter nicht zu lüften, Kinderwagen nicht zu verwenden sowie Schuhe und Haustiere nach dem Aufenthalt im Freien zu reinigen.

Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace liegen in dem ungarischen Laborbericht insgesamt sieben Messungen vor, die Werte zwischen mindestens 35.000 und den gemessenen Spitzenwerten von 292.000 Fasern pro Kubikmeter zeigen. Zum Vergleich: Die burgenländische Taskforce nennt selbst einen maximal zulässigen Richtwert von 1.000 Fasern pro Kubikmeter Luft.

Besonders brisant ist die Situation aus Sicht von Greenpeace deshalb, weil vergleichbare Verhältnisse auch in Österreich existieren. In vielen neu errichteten Wohnsiedlungen, vor allem im ländlichen Raum, sind Zufahrtsstraßen zunächst nur geschottert und werden erst später asphaltiert. Genau dort komme häufig jenes Material zum Einsatz, das nun in Ungarn den Gesundheitsnotstand ausgelöst hat.

Die Umweltorganisation wirft der burgenländischen Landesregierung vor, sich weiterhin auf Wintermessungen zu berufen, die unter nassen Bedingungen durchgeführt wurden und daher das tatsächliche Risiko unterschätzen könnten. Weitere Messungen seien zwar angekündigt, bislang aber nicht umgesetzt worden. Greenpeace fordert daher umgehend flächendeckende Schutzmaßnahmen für alle betroffenen und potenziell betroffenen Siedlungen in Österreich – ohne weitere Verzögerung.

Der Fall Szombathely zeige laut den Umweltschützern deutlich, wie rasch aus einem infrastrukturellen Problem eine akute Gesundheitsgefahr werden könne. Ohne konsequentes Handeln drohe auch in Österreich eine Eskalation mit schwerwiegenden Folgen für die Bevölkerung.

Quelle: Greenpeace

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