Ausgabe 2026/04

14.04.2026

Arbeiten neben dem Studium wird zur Belastungsprobe

Foto: dbn

Arbeiten neben dem Studium wird zur Belastungsprobe

Steigende Lebenshaltungskosten setzen Studentinnen und Studenten zunehmend unter Druck. Eine aktuelle Erhebung zeigt: Erwerbsarbeit ist für viele keine freiwillige Entscheidung – und gefährdet den Studienerfolg.
Immer mehr Studentinnen und Studenten in Österreich sind gezwungen, neben ihrem Studium zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der regelmäßig durchgeführten Studierendensozialerhebung des Instituts für Höhere Studien. Was häufig als persönliche Entscheidung oder als sinnvoller Karriereschritt dargestellt wird, entpuppt sich zunehmend als strukturelles Problem.


Rund 68 Prozent der Studentinnen und Studenten gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Für 71 Prozent von ihnen ist das Arbeiten jedoch keine freie Entscheidung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Hauptgrund dafür sind die stark gestiegenen Wohn- und Lebenshaltungskosten, die zwischen 2023 und 2025 um rund sechs Prozent zugenommen haben. Die Daten zeigen deutlich: Je mehr Stunden Studentinnen und Studenten arbeiten, desto stärker leidet ihr Studium. Vier von zehn Betroffenen berichten von großen Schwierigkeiten, Studium und Job miteinander zu vereinbaren.

Wohnen und Essen als größte Kostenfaktoren
Den größten Teil der monatlichen Ausgaben machen die Kosten für Wohnen und Ernährung aus. Im Durchschnitt entfallen 38 Prozent der Ausgaben auf das Wohnen und 21 Prozent auf Essen. Besonders alarmierend ist die Entwicklung der Wohnkosten: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind diese um rund 51 Prozent gestiegen und belasten Studentinnen und Studenten massiv.

Besonders betroffen sind Studentinnen und Studenten ohne familiäre Unterstützung, Studierende über 27 Jahre sowie Studentinnen und Studenten mit Kind. Für diese Gruppen fallen viele finanzielle Förderungen weg, was das Risiko von finanziellen Engpässen bis hin zur Armutsgefährdung deutlich erhöht.

Forderung nach politischem Handeln
Die Arbeiterkammer sieht dringenden politischen Handlungsbedarf. Bildung und persönliche Weiterentwicklung müssten allen Menschen in Österreich offenstehen, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Dafür brauche es eine stärkere finanzielle Unterstützung durch den Staat. Insbesondere die Studienbeihilfe sei derzeit zu niedrig und reiche nicht zum Leben aus. Eine deutliche Anhebung über die Armutsgefährdungsschwelle hinaus sei notwendig, um Studentinnen und Studenten ein existenzsicherndes Studium zu ermöglichen.

Zugleich fordert die Arbeiterkammer faire Arbeitsbedingungen für Studentinnen und Studenten sowie für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger in Teilzeit. Wer arbeitet und studiert, leiste doppelt und müsse entsprechend entlohnt werden. Im Rahmen einer aktuellen Kampagne setzt sich die Arbeiterkammer unter anderem für höhere Zuschläge bei Mehrstunden in der Teilzeitarbeit ein.

Faire Studienbedingungen als Schlüssel
Neben leistbarem Wohnen und besseren finanziellen Unterstützungen fordert die Arbeiterkammer auch von den Universitäten Verbesserungen. Flexiblere Studienbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Studium und Erwerbsarbeit seien entscheidend, um faire Chancen für Studentinnen und Studenten zu schaffen.

Die Ergebnisse der Studierendensozialerhebung machen deutlich: Arbeiten und Studieren darf nicht zum Armutsrisiko werden. Ohne gezielte sozial- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen droht vielen jungen Menschen eine nachhaltige Belastung ihrer Ausbildung und Zukunftsperspektiven.

Quelle: Arbeiterkammer Wien

zurück