11.03.2026
Foto: dbn
Was als innovatives Pilotprojekt begann, ist heute ein vielzitiertes Vorzeigebeispiel für nachhaltige Energiegewinnung: Die sogenannte „Schnitten‑Heizung“ von Wien Energie und dem Traditionsunternehmen Manner feiert ihr zehnjähriges Jubiläum. Seit 2016 wird die Abwärme aus der Waffelproduktion direkt in das Fernwärmenetz eingespeist – genug, um 600 Haushalte in Ottakring und Hernals mit Heizung und Warmwasser zu versorgen.
Eine ungewöhnliche, aber effiziente Wärmequelle
Bei der Produktion der berühmten Schnitten entsteht große Hitze, die früher ungenutzt entwich. Heute wird sie über ein Rohrsystem gesammelt, auf das Dach geführt und dort genutzt, um Wasser zu erhitzen, das anschließend in das lokale Fernwärmenetz eingespeist wird. Wärmepumpen sind in vielen Projekten üblich, doch bei der Manner‑Heizung funktioniert die Lösung direkt über heiße Abluft.
Wien Energie‑Geschäftsführerin Alma Kahler betont, dass solche Projekte helfen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Neben großen Anlagen – wie der neuen Großwärmepumpe in der Spittelau – seien es gerade auch kleinere innerstädtische Projekte, die einen wichtigen Beitrag leisten.
Tradition und Innovation am Standort Hernals
Manner‑CEO Dieter Messner sieht das Projekt als Teil der Unternehmensphilosophie: Seit über 135 Jahren produziere Manner in Wien, und die Investitionen in Modernisierung und Nachhaltigkeit seien ein klares Bekenntnis zum Standort. Ein Teil der Abwärme wird auch direkt im Werk weiterverwendet, wo sie zur Erzeugung von Kälte für Produktionszwecke dient.
Breite politische Anerkennung
Auch die Politik würdigt die Vorreiterrolle des Projekts. Stadträtin Ulli Sima nennt die Schnitten‑Heizung „die süßeste Wärmeversorgung Wiens“ und verweist auf weitere erfolgreiche Abwärmeprojekte, etwa die Therme Wien oder das Digital‑Realty‑Rechenzentrum. Diese seien wichtige Bausteine für die „Raus‑aus‑Gas“-Strategie der Stadt.
NEOS‑Klubobfrau Selma Arapović spricht von einem Paradebeispiel dafür, wie lokale Produktion zu regionaler Versorgung werde. Auch Josef Taucher, Vorsitzender des Unterausschusses Wiener Stadtwerke, betont die Bedeutung solcher Kooperationen für eine klimaneutrale Stadt bis 2040.
Fernwärme auf dem Weg zur Klimaneutralität
Die Fernwärme spielt eine zentrale Rolle in der Dekarbonisierung Wiens. Der Anteil der erneuerbaren Wärme soll bis 2040 auf 56 Prozent steigen. Dazu setzt Wien Energie auf neue Energiequellen wie Tiefengeothermie, deren Ausbau bis zu 200.000 Haushalte versorgen könnte, sowie auf große Wärmepumpen, etwa in Simmering, Spittelau oder der Kläranlage ebswien. Zusammen können diese Anlagen bereits 97.000 Haushalte bedienen.
Derzeit versorgt die Fernwärme 479.000 Haushalte, über ein Netz von 1.350 Kilometern Länge – Tendenz steigend. Bereits 1964 wurden die ersten Wohnungen in Wien ans Fernwärmenetz angeschlossen. Heute zählt sie zu den wichtigsten Werkzeugen der Stadt auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Text/Quelle: Wien Energie GmbH