Ausgabe 2026/03

11.03.2026

Österreich erneut Stromimporteur: Rückgang der Wasserkraft sorgt für deutliche Versorgungslücke

Foto: dbn

Österreich erneut Stromimporteur: Rückgang der Wasserkraft sorgt für deutliche Versorgungslücke

Nach einem außergewöhnlich starken Stromexportjahr 2024 ist Österreich 2025 wieder deutlich in die Importabhängigkeit gerutscht. Laut aktueller Strombilanz der Austrian Power Grid (APG) verzeichnete das Land einen Saldo‑Import von 5.360 Gigawattstunden. In acht von zwölf Monaten musste mehr Strom eingeführt als ausgeführt werden – im Jahr davor waren es nur drei Monate.

2024 hatte Österreich dank hoher Erträge aus der Laufwasserkraft noch einen Rekord‑Export von 4.747 GWh erzielt. 2025 dagegen konnte aufgrund schwächerer erneuerbarer Einspeisung an nur 112 Tagen Strom ins Ausland geliefert werden – 131 Tage weniger als im Vorjahr.

Erneuerbare brechen ein – Wasserkraft minus 24,8 Prozent
Besonders deutlich zeigt sich der Einbruch bei der Wasserkraft. Die erneuerbare Gesamtproduktion sank um 19,1 Prozent, die Wasserkrafterzeugung sogar um 24,8 Prozent im Vergleich zu 2024. Insgesamt konnten die erneuerbaren Energien nur 78,9 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs decken – trotz steigender installierter Leistungen bei Photovoltaik und Windkraft.

APG‑Vorstandssprecher Gerhard Christiner betont die zunehmende Abhängigkeit von Gaskraftwerken und internationalen Strommärkten: In den Wintermonaten habe man die Versorgungssicherheit nur durch den verstärkten Einsatz thermischer Kraftwerke und Importe aufrechterhalten können.

Netzreserve bleibt zentral – Reform im ElWG beschlossen
Um die Netzstabilität zu sichern, bleiben konventionelle Kraftwerke und die sogenannte Netzreserve entscheidend. Mit der Novelle des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes im Dezember 2025 wurde die Netzreserve gesetzlich neu verankert. Christiner warnt jedoch, dass der verzögerte Ausbau des Übertragungsnetzes weiterhin ein Risiko für die Versorgungssicherheit darstelle.

Redispatch‑Maßnahmen nehmen weiter zu
Der Einsatz von Redispatch, also dem gezielten Hoch- oder Herunterfahren von Kraftwerken zur Entlastung überlasteter Leitungen, blieb auch 2025 hoch. Insgesamt wurden solche Notfallmaßnahmen an 215 Tagen durchgeführt – etwas häufiger als 2024. Die Kosten stiegen auf 87,2 Millionen Euro, ein Plus von 3,2 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Diese Ausgaben tragen letztlich die Endkunden.
Christiner sieht den Schlüssel in einem rascheren Ausbau der Netze: „Es wäre volkswirtschaftlich sinnvoller, das Geld in Infrastruktur zu investieren, statt es für Notmaßnahmen aufzuwenden.“

Text/Quelle: Austrian Power Grid AG

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