11.03.2026
Foto: dbn
Österreichs Bevölkerung spart wieder deutlich – und zwar quer durch alle Altersgruppen. Laut aktuellem TeamBank‑Liquiditätsbarometer geben acht von zehn Menschen weniger aus als geplant. Besonders die anhaltend hohen Lebensmittelpreise gelten als Haupttreiber einer finanziellen Belastung, die viele Haushalte spürbar einschränkt.
Auch wenn 95 Prozent der Befragten exakt oder annähernd wissen, was ihnen nach Abzug der Fixkosten monatlich bleibt, müssen viele beim Freizeitverhalten Abstriche machen: Restaurantbesuche, Urlaube und größere Anschaffungen stehen ganz oben auf der Liste dessen, worauf verzichtet wird.
Doch diese Situation ist nicht neu. Ein Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zeigt, dass die österreichische Konsumstimmung sich in Wellenbewegungen verändert – stets dann, wenn Teuerung und Unsicherheit zusammen auftreten.
20 Jahre Konsumverhalten: Ein Land zwischen Stabilität und Krisen
Die 2000er-Jahre: Wohlstand mit ersten Rissen
Zu Beginn der 2000er-Jahre wuchs Österreich wirtschaftlich stabil. Dennoch zeigten bereits damals steigende Energie‑ und Wohnkosten Wirkung – Themen, die sich heute noch verstärken. Restaurant- und Freizeitkonsum galten damals wie heute als flexible Posten, an denen zuerst gespart wurde.
2008–2012: Finanzkrise und Eurokrise
Die weltweite Finanzkrise verstärkte eine Entwicklung, die nun wieder sichtbar wird:
Konsum wurde vorsichtiger,
Kredite wurden genauer geprüft,
Haushalte beobachteten ihre liquiden Mittel stärker.
Genau diese Haltung beschreibt die TeamBank heute wieder: hohe Vorsicht, verstärkte Planung und Abwägung jeder größeren Ausgabe.
2015–2019: Erholung und neue Ausgabenmuster
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stieg die Konsumbereitschaft – besonders in den Bereichen Reisen, Gastronomie und Mobilität. Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass ausgerechnet diese Sektoren nun wieder zu den ersten gehören, bei denen Österreicher kürzen.
2020–2023: Pandemie, Lieferkettenkrise und Energiepreisschock
Die Ereignisse der vergangenen Jahre – allen voran die Pandemie – haben die Sensibilität für finanzielle Risiken massiv erhöht. Genau diesen Trend bestätigt auch TeamBank‑Vorstandsvorsitzender Christian Polenz, der betont, dass viele Entscheidungen „mit deutlich mehr Zurückhaltung“ getroffen werden.
2024–2026: Rekordinflation wirkt nach
Trotz langsam sinkender Inflationsraten bleiben Lebensmittel und Energie teuer. Das macht sich nun im Alltag bemerkbar:
Menschen ab 50 spüren die Preissteigerungen bei Strom und Nahrungsmitteln besonders stark, jüngere Haushalte planen Konsum deutlich langfristiger, und sogar langlebige Güter wie Autos werden exakter als früher vorgeplant: Viele benötigen Monate bis über ein Jahr für die Entscheidung.
Autokauf bleibt – aber als langfristiges Projekt
Trotz Sparverhalten plant mehr als ein Viertel der Bevölkerung weiterhin einen Autokauf innerhalb der nächsten zwölf Monate. Doch die Rolle des Autokaufs hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert:
In den frühen 2000ern war der Autokauf ein klassischer Mittelklasse‑Konsum.
Nach der Finanzkrise 2008 folgte ein Einbruch – gefolgt von staatlichen Förderungen.
Seit der Pandemie steigen Kosten für Neu‑ und Gebrauchtwagen stark; Entscheidungen werden länger vorbereitet.
Heute wird Modell, Ausstattung und Finanzierung so sorgfältig geplant wie noch nie – ein Trend, der auch mit der wirtschaftlichen Unsicherheit der vergangenen Jahre zusammenhängt.
Ein Blick nach vorne: Konsumverhalten bleibt „vorsichtig“
Mit einer Stichprobe von 1.412 Personen zwischen 18 und 79 Jahren liefert das Liquiditätsbarometer eine breite Datengrundlage für aktuelle Entwicklungen. Es deutet darauf hin, dass Österreich in eine Phase der „nachhaltigen Vorsicht“ eintritt: [Document | Word]
Spontankäufe nehmen ab.
Haushalte betrachten finanzielle Resilienz als Priorität.
Grundnahrungsmittelpreise bleiben politisch und sozial hoch sensibel.
Angesichts der Erfahrungen der letzten 20 Jahre überrascht das nicht: Immer dann, wenn Preise steigen und Unsicherheit wächst, reagiert Österreich – wie jetzt – mit Zurückhaltung und Einsparungen.
Text/Quelle: Auszugsweise TeamBank AG