11.03.2026
Foto: dbn
Jede fünfte Frau in Österreich über 65 Jahren ist von Armut betroffen oder akut armutsgefährdet. Besonders drastisch zeigt sich die Situation bei den Pensionen: Die mittlere Frauenpension liegt unter der Armutsgefährdungsschwelle, Frauen erhalten im Schnitt 40 Prozent weniger Pension als Männer. Sozialorganisationen warnen vor einer wachsenden gesellschaftlichen Krise.
Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich, beschreibt die Lage als dramatisch: Wer seine laufenden Kosten nicht mehr decken könne, „friert im Winter, verzichtet, leidet und ist einsam“. Die finanzielle Not werde zusätzlich von Scham und sozialem Rückzug begleitet – mit gravierenden Folgen für körperliche und psychische Gesundheit.
Gestiegene Lebenshaltungskosten verschärfen die Lage
Hohe Mieten, teure Energie und steigende Lebensmittelpreise sorgen dafür, dass die Ausgleichszulage von rund 1.230 Euro für viele Betroffene nicht ausreicht. Kommen Krankheitskosten hinzu, geraten viele ältere Frauen in die Situation, zwischen Heizen und Essen entscheiden zu müssen. Judith Ranftler von der Volkshilfe betont: „Das darf nicht sein.“
Sozialorganisationen fordern Reformpaket
Die Volkshilfe fordert daher:
- eine Anhebung der Ausgleichszulage,
- eine Anpassung an die realen Lebenshaltungskosten,
- strukturelle Reformen zur langfristigen Verhinderung von Altersarmut bei Frauen.
Besonders zentral sei laut Volkshilfe die Schließung des Gender‑Pay‑Gaps sowie eine gerechtere Verteilung von unbezahlter Care‑Arbeit, die weiterhin überwiegend von Frauen getragen wird. Auch flächendeckende Kinderbetreuung und familienfreundliche Sozialpolitik seien essenziell, um Armut im Alter zu vermeiden.
Politik in der Pflicht
„Damit Frauen in Zukunft nicht mehr von Altersarmut betroffen sind, müssen Politiker jetzt handeln“, fordert Fenninger. Es brauche faire Löhne, bessere Kinderbetreuung und eine stärkere Einbindung von Vätern, um die finanziellen Nachteile von Frauen über den Lebensverlauf hinweg abzubauen.
Text/Quelle: Volkshilfe Österreich