11.03.2026
Foto: dbn
Steigende Kosten, zunehmende Aufgaben und wachsende rechtliche Anforderungen setzen Österreichs Gemeinden immer stärker unter Druck. Gleichzeitig erwarten Bürger verlässliche Leistungen – von Kinderbetreuung über Wasserversorgung bis zur Abfallwirtschaft. Zwei aktuelle Best‑Practice‑Modelle zeigen nun, wie interkommunale Zusammenarbeit Gemeinden spürbar entlasten kann.
Laut Gemeindebund arbeiten bereits heute nahezu alle Gemeinden mit ihren Nachbarn zusammen. Diese Kooperationen sollen nun weiter ausgebaut und rechtlich vereinfacht werden. Ziel sind Mehrzweck‑Dienstleistungsverbände, die Aufgaben wie Buchhaltung, Abgabeneinhebung oder IT‑Services zentral übernehmen. „Zusammenarbeiten statt zusammenlegen – das ist unser Zugang“, betont Gemeindebund‑Präsident Johannes Pressl. Zwangsfusionen seien hingegen keine Lösung.
GDA Amstetten: Breites Leistungsangebot für bis zu 47 Gemeinden
Der Gemeinde‑Dienstleistungsverband Region Amstetten (GDA) zeigt, wie vielfältig Kooperation funktionieren kann. Er übernimmt für bis zu 47 Gemeinden Leistungen in Abfallwirtschaft, Abgabeneinhebung, Verwaltungsorganisation sowie digitale Infrastruktur wie ein gemeinsames WebGIS. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Breitband‑ und Glasfaserausbau. „Kooperation ist für uns kein Projekt, sondern ein funktionierendes Betriebsmodell“, sagt Geschäftsführerin Eva Zirkler.
GVU Melk: Kostenvorteile und einheitliche Standards
Der Gemeindeverband für Umweltschutz und Abgabeneinhebung Melk (GVU) betreut 40 Gemeinden im Bezirk und fünf weitere außerhalb. Besonders groß ist der Vorteil in der Abgabeneinhebung: Durch professionelle Prozesse und laufend aktualisierte Daten entstehen für Gemeinden deutliche Einsparungen. Zudem übernimmt der Verband Aufgaben im Bereich Datenschutz, Informationsfreiheit und Energieeffizienz. Ein einheitlicher Standard bei Leistungen wie WebGIS, Spielplatzüberprüfungen oder Baumkontrollen sorgt für zusätzliche Effizienz.
Sechsstellige Einsparungen in einzelnen Gemeinden
Wie groß das Einsparpotenzial sein kann, zeigt Pressl am Beispiel seiner Heimatgemeinde Ardagger: Die Abgabenverwaltung bringt jährlich rund 1,6 Millionen Euro ein. Die Verwaltungskosten liegen dank Kooperationen nur noch bei etwa zwei Prozent – früher waren sie deutlich höher. „Das ist jedes Jahr ein sechsstelliger Betrag, der nicht in Bürokratie fließt“, so Pressl.
Ausblick: Mehr Kooperation, weniger Hürden
Der Gemeindebund fordert, bestehende Barrieren für gemeinsame Organisationen abzubauen – insbesondere steuerliche Hürden. Ziel seien professionelle Strukturen, die Gemeinden entlasten, ohne ihre Identität zu gefährden. „Kooperation stärkt Heimat: Der Service bleibt nah, die Leistung wird professioneller“, sagt Pressl.
Text/Quelle: Österreichischer Gemeindebund