11.03.2026
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Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen bleiben in Österreich erheblich – und in Oberösterreich besonders ausgeprägt. Laut aktuellen Daten liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Männern bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung österreichweit um 10.500 Euro über jenem der Frauen. In Oberösterreich beträgt der Abstand sogar 12.900 Euro, was einem Unterschied von 23,7 Prozent entspricht. Damit weist das Bundesland den zweithöchsten Wert hinter Vorarlberg auf.
Noch deutlicher wird das Bild, wenn Teilzeiteinkommen berücksichtigt werden. Männer verdienen dann im Österreich‑Schnitt 38 Prozent mehr, in Oberösterreich sogar 49 Prozent – rund 1.200 Euro brutto pro Monat zusätzlich. Als wesentlicher Grund gilt die nach wie vor stark geschlechtergetrennte Arbeitsmarktstruktur: Männer arbeiten häufiger Vollzeit und in der Industrie, Frauen überdurchschnittlich oft in schlechter bezahlten Dienstleistungsbereichen.
Großteils nicht erklärbar – Verdacht auf strukturelle Diskriminierung
Besonders alarmierend: Laut Statistik Austria lässt sich nur rund ein Drittel der Unterschiede durch Faktoren wie Branche, Arbeitszeit oder Beruf erklären. Der überwiegende Teil bleibt unerklärbar – und deutet laut Arbeiterkammer (AK) auf direkte oder strukturelle Diskriminierung hin.
AK fordert Transparenz und strengere Regeln
Als wirksamstes Mittel gegen ungerechte Bezahlung sieht die AK transparente Einkommensberichte. Zwar sind größere Betriebe gesetzlich dazu verpflichtet, doch in der Praxis würden viele Unternehmen die Berichte nicht erstellen oder sie der Belegschaft nicht zugänglich machen. Sanktionen bei Verstößen fehlen weitgehend. Zudem erschwere die verpflichtende Anonymisierung konkrete Vergleiche.
EU‑Richtlinie als Chance
Die AK setzt große Hoffnungen in die neue EU‑Lohntransparenzrichtlinie, die bis Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Länder wie Schweden, Island oder Norwegen zeigen laut AK, dass offene Entgeltsysteme zu deutlich geringeren Einkommensunterschieden führen.
Forderungen zum Weltfrauentag
Zum Weltfrauentag erneuert die Arbeiterkammer Oberösterreich ihre zentralen Forderungen:
Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit
Rechtsanspruch auf Vollzeit bzw. Stundenaufstockung, sofern im Betrieb möglich
Ausreichende Betreuungs‑ und Pflegeangebote, um unbezahlte Sorgearbeit abzufedern
Kollektivvertragliche Mindestlöhne von 2.000 Euro brutto
Konsequente Umsetzung der EU‑Lohntransparenzrichtlinie
AK‑Präsident Andreas Stangl mahnt: „Gleichstellung darf nicht nur ein Symbol am Weltfrauentag sein. Gerechtigkeit entsteht dort, wo für gleiche Arbeit gleiche Bezahlung erfolgt.“
Text/Quelle: Arbeiterkammer Oberösterreich