Ausgabe 2026/03

11.03.2026

Digitaler Euro: Banken warnen vor hohem Risiko und geringem Nutzen

Foto: dbn

Digitaler Euro: Banken warnen vor hohem Risiko und geringem Nutzen

Die geplante Einführung eines digitalen Euro sorgt weiterhin für kontroverse Diskussionen. Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Bankenbranche sehen in dem Vorhaben ein Projekt von historischer Tragweite – allerdings ohne klar erkennbaren Mehrwert für Konsumentinnen und Konsumenten. Sie warnen vor weitreichenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen sowie vor einem möglichen Vertrauensverlust in das europäische Finanzsystem.

Laut der Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Eva Landrichtinger, stelle der digitale Euro einen „massiven systemischen Eingriff“ dar, der nicht nur den Zahlungsverkehr, sondern das gesamte europäische Bankensystem betreffen würde. Themen wie Finanzstabilität, Kreditvergabe, Datenschutz und das Vertrauen der Bevölkerung müssten besonders sorgfältig betrachtet werden.

„Sorgfalt vor Tempo“
Landrichtinger fordert, dass die Analyse des Projekts Vorrang vor politischem Zeitdruck haben müsse. Die Einführung eines digitalen Euro ohne klaren Nutzen könnte dazu führen, dass er von der Bevölkerung kaum angenommen werde. Ähnlich wie bei der Bargeldeinführung des Euro 2002 gebe es auch diesmal „keine zweite Chance“, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. Der digitale Euro könne nur dann erfolgreich sein, wenn er eng mit der Bankenbranche entwickelt werde – nicht gegen sie.

Europaweite Alternativen werden bereits ausgebaut
Die Branche verweist auf bestehende europäische Zahlungslösungen wie EPI/Wero, Bancomat, Bizum, SIBS/MB Way und Vipps MobilePay. Eine kürzlich unterzeichnete Kooperationsvereinbarung soll bis 2027 grenzüberschreitende Zahlungen in Europa erleichtern. Zum Start sollen 13 Länder teilnehmen, die zusammen rund 72 Prozent der Bevölkerung der EU und Norwegens abdecken.

Diese Initiativen seien, so Landrichtinger, ein „wesentlicher Schritt zur Stärkung der europäischen Zahlungssouveränität“ und müssten in die politische Entscheidungsfindung einfließen. Österreichs Banken wollen sich daran beteiligen, um ihren Kundinnen und Kunden moderne digitale Bezahllösungen zu bieten.

Hohe Kosten, offene Fragen
Der digitale Euro sei ein politisches Großprojekt, dessen tatsächliche Nachfrage ungewiss sei. Zudem stünde er potenziell in Konkurrenz zum bestehenden Bankensystem. Deshalb müsse die EU ausreichend Zeit für die Entscheidung einplanen und dürfe sich nicht unter politischen Druck setzen lassen.

Ob der digitale Euro Erfolg haben könne, hänge letztlich von der Bevölkerung ab. Akzeptiert werde er nur, wenn er einfach, sicher und mit einem klaren Mehrwert verbunden sei. Landrichtinger betont abschließend, dass die Wahlfreiheit des Zahlungsmittels erhalten bleiben müsse: „Die Menschen sollen selbst entscheiden können, ob sie bar, mit Karte oder digital bezahlen.“

Text/Quelle: Wirtschaftskammer Österreich

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