Ausgabe 2026/03

11.03.2026

65 Jahre Unfallstatistik: Verkehrstote stark gesunken – doch neue Risiken nehmen zu

Foto: dbn

65 Jahre Unfallstatistik: Verkehrstote stark gesunken – doch neue Risiken nehmen zu

Österreich blickt auf 65 Jahre Verkehrsunfallstatistik zurück, und die Bilanz zeigt eine klare langfristige Verbesserung. Seit 1961 wurden alle Unfälle mit Verletzten und Toten systematisch erfasst. In diesem Zeitraum ereigneten sich rund 2,7 Millionen Unfälle mit Personenschaden, bei denen 3,6 Millionen Menschen verletzt wurden und 87.308 ihr Leben verloren. Allein bis zum 1. März dieses Jahres starben bereits 35 Menschen im Straßenverkehr. Die markante Reduktion der Opferzahlen ist vor allem den großen Fortschritten in der Fahrzeugsicherheit zu verdanken.

Das Jahr 1972 stellte mit 2.948 Verkehrstoten den traurigen Höchstwert dar. Seither sanken die Zahlen deutlich – im Jahr 2025 waren es nur noch 397 Tote, was einem Rückgang von 87 Prozent entspricht. Bemerkenswert ist diese Entwicklung besonders vor dem Hintergrund, dass sich der Fahrzeugbestand im gleichen Zeitraum verdreifacht hat: von 2,5 Millionen im Jahr 1972 auf 7,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2025. Dennoch ist die Zahl der Unfälle und Verletzten nicht im gleichen Ausmaß zurückgegangen. 2024 wurden 37.117 Unfälle verzeichnet, rund 30 Prozent weniger als 1972. Die Zahl der Verletzten lag 2024 bei 45.995 – ein Rückgang von 36 Prozent.

Der Zielwert der Verkehrssicherheitsstrategie des Verkehrsministeriums, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 zu halbieren, erscheint schwer erreichbar. Um im Plan zu liegen, hätte es im Vorjahr höchstens 310 Tote geben dürfen; tatsächlich sank die Zahl nur um 3,9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum. Damit sei man deutlich vom Ziel entfernt, warnt der ÖAMTC‑Verkehrsexperte Nosé.

Für weitere Verbesserungen seien exakte Unfallanalysen und ideologiefreie Maßnahmen notwendig. Dazu zählen ein fehlerverzeihender Straßenraum, gut ausgebildete und sicherheitsbewusste Verkehrsteilnehmer sowie eine stärkere Verbreitung moderner Assistenzsysteme. 

Zunehmend in den Fokus rücken ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer sowie Nutzer von E‑Bikes und E‑Scootern. Gerade bei diesen Gruppen steigen Unfall- und Todeszahlen. Der ÖAMTC spricht sich daher für eine allgemeine Helmpflicht bei E‑Scootern und eine Helmnutzungsempfehlung für E‑Bikes aus. Zwar könne ein Helm Unfälle nicht verhindern, jedoch die Schwere der Verletzungen deutlich reduzieren.

Wesentlich zur positiven Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte beigetragen haben technische Verbesserungen wie Scheibenbremsen, Knautschzonen, der Drei‑Punkt‑Gurt, Airbags, ABS, ESP sowie strengere Crashtest‑Anforderungen. Der ÖAMTC startete bereits vor 35 Jahren gemeinsam mit Partnerclubs die ersten Crashtests und setzte damit wichtige Impulse für sicherere Fahrzeuge.

Auch verkehrspolitische Maßnahmen hatten große Wirkung. Dazu zählen Tempolimits auf Bundesstraßen und Autobahnen, die Einführung des Notarzthubschraubers, die Gurtpflicht, die Helmpflicht für Motorrad und Moped, der Einsatz von Alkomaten, die Kindersitzpflicht, die Mehrphasenausbildung für Führerscheinneulinge, das Vormerksystem sowie die digitale Unfallaufnahme.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt eindrucksvoll den Erfolg aller Maßnahmen: 1961 starben 1.640 Menschen im Straßenverkehr, 1971 nahezu 2.800. Seit den 1980er‑Jahren sinkt die Zahl kontinuierlich: 1981 waren es 1.898 Todesopfer, 1991 1.551, 2001 nur noch 958. 2011 starben 523 Menschen, 2024 waren es 351 und 2025 wieder 397. Insgesamt sank die Zahl der Verkehrstoten seit 1961 um 76 Prozent, während der Fahrzeugbestand stark wuchs. Die Zahl der Verletzten ging im selben Zeitraum um 19 Prozent zurück.

Text/Quelle: ÖAMTC


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