Ausgabe März 2024

01.03.2024

Übergewicht & Adipositas auch in Österreich am Vormarsch

Foto: dbn

Übergewicht & Adipositas auch in Österreich am Vormarsch

Übergewicht und Adipositas sind in Österreich mitten in der Gesellschaft angekommen: Aktuell sind bereits etwas mehr als die Hälfte der Erwachsenen und rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen übergewichtig (BMI 25 - 29.9kg/m2) oder adipös (BMI ab 30kg/m2). Männer sind in allen Altersgruppen häufiger betroffen und die Häufigkeit steigt mit dem Alter stark an. Konkret leben in Österreich 41 % der Männer mit Übergewicht bzw. 18% mit Adipositas. Bei Frauen ist der Anteil etwas geringer mit 27% Übergewicht bzw. 15% Adipositas.

Das Problem beginnt bereits bei den Jüngsten: So sind schon bei den Neunjährigen mehr als 31 % der Buben und 29 % der Mädchen übergewichtig oder adipös.

„Wir können es uns als Gesellschaft einfach nicht leisten, dass eine chronische Erkrankung immer weitere Teile der Bevölkerung erfasst“, warnt Andreas Huss, MBA, Obmann-Stellvertreter der Österreichischen Gesundheitskasse, angesichts dieser Fakten, und er fordert: „Adipositas ist eine für die betroffenen Menschen und für die Gesellschaft sehr belastende Erkrankung, die früh im Leben zu vielen Folgeerkrankungen und eingeschränkter Lebensqualität führt.

Daher ist die Prävention aber auch die Verbesserung der Gesundheitskompetenz bei Ernährung, Bewegung und Psyche, enorm wichtig. Die ÖGK setzt hier in ihren Präventionsprogrammen bereits bei Kindern und Jugendlichen an. Aber auch die Politik und die Lebensmittelindustrie sind gefordert. Hoch verarbeitete und krankmachende Lebensmittel müssen verständlich gekennzeichnet werden. Denn den gesunden Schokoriegel gibt es nicht!“

Assoc.Prof. Priv.Doz. Dr. Florian Kiefer ist Präsident der Österreichischen Adipositas Allianz und Leiter der Endokrinologischen Ambulanz an der Abteilung für Endokrinologie & Stoffwechsel am AKH Wien. Er unterstreicht: „Adipositas ist eine chronische Erkrankung, bei deren Entstehung und Verlauf viele verschiedene Faktoren zusammenwirken. Dazu gehören Lebensstil-Aspekte wie Ernährung und Bewegung, aber bei rund 70 % (3) der Betroffenen auch genetische Faktoren. Prävention ist darum ebenso wichtig wie evidenzbasierter Therapien für bereits Erkrankte.“

In der Öffentlichkeit ist diese Komplexität der Erkrankung weitgehend unbekannt. Betroffene leiden daher unter massiver Stigmatisierung („selber schuld“, „keine Disziplin“ etc.), die oft in der eigenen Familie oder im Freundeskreis geschieht und Menschen in die Abwärtsspirale von Rückzug, sozialer Isolation und psychischen Erkrankungen wie etwa Depressionen treibt. Zu diesen psychischen Folgen kommen weitere Folgeerkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Diabetes mellitus, erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz.

Schwere Folgen für Betroffene, Gesellschaft und Gesundheitswesen
Die persönlichen Auswirkungen für die Betroffenen in ihrem Privat- und Arbeitsleben sind gravierend, aber auch jene für Gesellschaft, Wirtschaft und Gesundheitssystem. So zeigen Prognosen der OECD für Europa, dass Adipositas zwischen 2020 und 2050 das österreichische BIP im Schnitt um 2,5% pro Jahr reduziert. Miteingerechnet werden hier auch indirekte Kosten wie Krankenstände, vorzeitige Pensionierungen, etc. Bezogen auf das BIP 2021 von 403 Milliarden Euro ginge es also um jährlich rund 10 Milliarden Euro.

Menschen mit Adipositas müssen außerdem öfter Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen, haben mehr Fehltage aufgrund von Krankheit, werden häufiger operiert und bekommen mehr Medikamente verschrieben.

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