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Ausgabe März 2023

WIRTSCHAFT

Wasserkraft muss sich auszahlen

Foto: dbn

Wasserkraft muss sich auszahlen

Wer selbst billig Strom produziert, kann das bei der Preisgestaltung nicht ignorieren. Nach den verrückten Preiskapriolen im vergangenen Jahr ist bei den Stromunternehmen volle Transparenz gefragt.

Stromunternehmen wie etwa die Tiwag und die Innsbrucker Kommunalbetriebe machen ihre eigenen Strompreise von den Preisen an den Strombörsen abhängig. Im Fall der beiden Tiroler Großversorger ist das seit 2020 der Fall, nur hat das bis zum Ukraine-Krieg im vergangenen Jahr niemanden so richtig interessiert. Erst die Energiepreis-Turbulenzen in Europa als Folge des russischen Einmarsches in das Nachbarland haben Fragen rund um dieses Preismodell aufgeworfen. Denn es ist tatsächlich nicht wirklich nachvollziehbar, warum Stromkonzerne wie die Tiwag oder auch der teilstaatliche Verbund, die selbst mit ihren Wasserkraftwerken viel günstigen Strom herstellen, sich bei Preisanpassungen ausschließlich auf die Börsenpreise berufen, die im Vorjahr hauptsächlich aufgrund der teuren Gaskraftwerke explodiert sind.

Tiwag-Strom beispielsweise entstammt zu etwa 85 Prozent der Wasserkraft. So liest es sich in den Kundeninformationen des landeseigenen Energieversorgers. Klar ist, dass im Winter die geringere Tiroler Eigenproduktion nicht ausreicht, um den gleichzeitig erhöhten Strombedarf zu decken und daher für die kalten Monate zugekauft werden muss. Im Sommer ist es allerdings umgekehrt. Da wird auf Hochtouren billig produziert, bei den Tirolern kommt dieser Preisvorteil unterm Strich aber nicht an, wie das Rechtsgutachten im Auftrag der AK darlegt. Schon das Wiener Handelsgericht hat unlängst beim Verbund ähnlich argumentiert und dessen Preisklausel gekippt: Wer billig viel Eigenstrom produziert, kann das bei der Preisgestaltung nicht einfach ignorieren. Volle Transparenz ist gefragt.

Für die Gesamtschau ist es aber auch hilfreich zu wissen, wie es zu diesen kritisierten Preismodellen kam. Denn lange wurde der Strompreis mehr oder weniger nach freier Einschätzung und mitunter auch je nach politischen Wunschvorstellungen angepasst. Ein von Konsumentenschützern angestrengtes Urteil gegen die niederösterreichische EVN kippte diese Usance, worauf viele Stromversorger den Börsenpreis als Bezugsgröße für ihre Preisanpassungen ins Spiel brachten.

Dass sich der Wind nun wieder drehen könnte, dürfte zumindest der Tiwag bereits im Vorjahr ziemlich klar gewesen sein. Schon im Mai 2022 stellte sie ihre Preis-Bindung an die Strombörse in Frage und kün-digte an, mögliche Alternativen zu prüfen.

2,1 Milliarden Euro nimmt die Tiwag in den kommenden Jahren in die Hand, um die Stromproduktion in Tirol auszubauen. Für die Tiroler und Tirolerinnen muss sich das unterm Strich aber auch auszahlen

Quelle: Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von MAX STROZZI

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